© «Der Zürcher
Oberländer» / «Anzeiger von Uster»
Viel Spielfreude
In der Kirche Wil in Dübendorf
musizierten am Samstag die russische Organistin Tatjana Botchkova und das
Dübendorfer Kammerorchester.
Marlène
Meister
Das zahlreich erschienene Publikum liess sich am letzten
Samstagabend in der Kirche Wil in Dübendorf von einem besonderen Konzert
begeistern. Es lernte nicht nur die russische Organistin Tatja Botchkova
kennen, sondern hörte auch die Uraufführung eines Werkes von Arthur Heinz
Lilienthal.
Das Dübendorfer Kammerorchester unter der
Leitung von Arthur Heinz Lilienthal eröffnete das Konzert mit der «Lustigen
Suite» von Georg Philipp Telemann. Rätsel gibt die Frage auf, weshalb
Telemann seine Suite wohl als lustig bezeichnete, denn die schlichte, schöne
Loure wirkte eher ernst, ja sogar melancholisch. Einzig das Rigaudon könnte
als ausgelassen bezeichnet werden. Als tänzerisch und leichtfüssig
entpuppten sich die beiden Menuette, und als originell und zauberhaft die
vierteilige Pastourelle mit ihren Alla-breve-Teilen.
Ein Märchen im «Pfauentanz»
Die Pavane «Couleur
du temps» von Frank Martin offenbarte ihre märchenhafte Geschichte auch in
der Musik, die das Orchester differenziert umsetzte.
Gespannt erwarteten die Zuhörer die Uraufführung von Arthur
Heinz Lilien-thals «Musik für Orgel und Streichorchester». Mächtig bewegte
sich die Musik im Andante maestoso voran. Lilienthal hat die Musik eigens
für Botchkova geschrieben, die mit Registrierung, Dynamik und Pedal
überraschte.
Die «Canzonette» zeigte sich als seltsam
«verwunschenes» Lied, das durch die eigenwillige Registrierung noch an Reiz
gewann, während der Tanz von Orchester und Solistin fliegend leicht gespielt
wurde und das Scherzo voller musikalischer Überraschungen steckte.
Dem Komponisten und der Interpretin gelang es, die technischen
und klanglichen Möglichkeiten der Orgel hervorragend aufzuzeigen. Das
Orchester präsentierte sich hochkonzentriert und interpretierte das Werk
seines Dirigenten mit viel Spielfreude. Lilienthal verwendete in seiner
tonalen Musik gemässigt moderne Elemente mit überraschenden Wendungen.
Danach erklang «Crisantemi», eine elegische Komposition von
Giacomo Puccini. Zum Schluss interpretierten Orchester und Orgel das einzige
Orgelwerk von Joseph Haydn, das «Konzert in C-Dur». Interessant ist dabei,
dass das Soloinstrument durchgehend beteiligt ist, also auch bei den
Tuttistellen. Eine zierliche Kadenz war (für einmal) im Mittelsatz
platziert.
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