Winterkonzert06
Harfenist Nicola Mosca (sitzend) und Flötistin Magda Schwerzmann verzauberten das Publikum.




Glanzvolles Konzert zum Jubiläumsende
Das Dübendorfer Kammerorchester feierte in der örtlichen reformierten Kirche Wil den 50. Geburtstag

Im zweiten Jubiläumskonzert in diesem Jahr brillierte das Dübendorfer Kammerorchester mit der Schweizer Erstaufführung einer Sinfonie von Charles Stamitz und den hervorragenden Solisten Magda Schwerzmann und Nicola Mosca.

Spielfreude, hohes Niveau und ein interessantes Programm: Das darf man dem Dübendorfer Kammerorchester, das schon seit 17 Jahren unter der Leitung von Arthur Heinz Lilienthal steht, nach diesem Konzert attestieren. Dass die 32 Streicherinnen und Streicher von Lilienthals Tätigkeit als Stimmführer Violine im Zürcher Kammerorchester profitieren, zeigt sich in der exakten Bogenführung und sauberen Intonation. Die grosse Zuhörerschaft am vergangenen Freitag in der Kirche Wil war begeistert.


Charakteristisches Werk der Mannheimer Schule entdeckt

Bereits in den 1960er Jahren hatte Arthur H. Lilienthal in Belgien Charles Stamitz' Sinfonie op. 24 Nr. 2 in B entdeckt. Dieses Jahr veröffentlichte er die vollständige Partitur dieses Werkes. Charles Stamitz war stark von der Mannheimer Schule beeinflusst, zu deren Begründer sein Vater Johann gehörte. Die Mannheimer Schule prägte entscheidende Neuerungen in der Instrumental- und Orchestermusik - beispielsweise die Abkehr vom Generalbass und der einheitliche Bogenstrich der Streicher -, aber auch wichtige Stilelemente, wie gezielte Kontrastbildungen und fliessende Dynamik, die die Wiener Klassik nachhaltig beeinflussten.

Auch die erstmalig in der Schweiz aufgeführte Sinfonie ist stark von dynamischen Elementen geprägt, die das Dübendorfer Kammerorchester hervorragend umsetzte.


Solist konzertiert gleich mit zwei Instrumenten

«8 Stücke für kleines Orchester» schrieb Arthur H. Lilienthal im vergangenen Jahr für den Harfenisten und Cellisten Nicola Mosca, der in diesem Werk am vergangenen Freitag das Publikum mit seiner grossen Begabung für beide Instrumente verzauberte. Ursprünglich als Werk für Solocello und Orchester konzeptioniert, inspirierte Mosca den Komponisten zu einer Besetzung für Cello und Harfe.

In den acht tanzartigen Sätzen werden die dunklen Stellen immer wieder durch lichte Momente erhellt. Im Interludium, das eine Anlehnung an die Motivik Johann Sebastian Bachs erfährt, und im Postludium werden jeweils die Anfangstakte des Präludiums aufgenommen. Ein grandioses Glissando der Harfe setzt den Schlusspunkt.


Flötistin mit herausragenden Qualitäten

Wenn die Flötistin Magda Schwerzmann spielt, erzählt sie eine Geschichte. Leidenschaftlich, zart, furios, melancholisch; - grosse Klangfülle ausgeprägte Diktion und Dynamik machen Schwerzmanns Spiel ausserordentlich facettenreich. Bereits vor der Pause setzte sie mit Wolfgang Amadeus Mozarts Andante in C-Dur für Flöte und Orchester KV 315 einen viel versprechenden Höhepunkt. Aufgrund der Handschrift und des Papiers des Autographen wird dieses liedhafte Werk Mozarts Mannheimer Zeit Ende der 1770er Jahre zugeschrieben und gilt als Ersatzstück für den Mittelsatz seines Flötenkonzerts in G-Dur KV 313.

Nicht weniger begeisterte auch das Doppelkonzert für Flöte, Harfe und Orchester in C-Dur KV 299, das Mozart 1778 für «zwei adelige Dilettanten am Pariser Hof» komponierte. Der besondere Reiz an dieser «konzertanten Sinfonie» besteht in der ansprechenden Klangmischung der beiden Soloinstrumente. Ein glanzvoller Schlusspunkt eines gelungenen Konzertabends.

 Gabriela Frischknecht


© «Der Zürcher Oberländer» / «Anzeiger von Uster»